Der Mensch nahm sich die Welt Schritt für Schritt – tastend, erobernd, formend. Er durchstreifte sie als Jäger, durchpflügte sie als Bauer und begann schließlich, sie zu ordnen. Was einst grenzenlos war, zerfiel nach und nach in Parzellen des Eigentums und Räume des Gemeinsamen. Mit jeder gezogenen Linie, mit jeder gesetzten Grenze schrieb er sich selbst in die Landschaft ein.
Die Namen, die er den Dingen gab, sind mehr als bloße Bezeichnungen. Sie sind Spuren dieser Aneignung, leise Zeugnisse eines Anspruchs, der sich im Wort verfestigt. Wer eine Karte im Maßstab 1:25000 aufschlägt, blickt nicht nur auf Wege und Felder, sondern auf ein dichtes Geflecht von Flurnamen – jedes einzelne ein Echo vergangener Hände und Stimmen.
Der Autor Marcel Huwyler folgt in seinen Texten diesen sprachlichen Fährten. Er fragt, warum gerade diese Namen für jene Orte gewählt wurden, und legt dabei Schichten von Geschichte frei: Erinnerungen an Besitzverhältnisse, an alte Nutzungen, an Menschen, die durch beständige Wiederholung den Namen Dauer verliehen. So wird sichtbar, dass die Landschaft nicht nur geformt, sondern auch erzählt ist – in Worten, die geblieben sind. Das Historische Museum Uri spiegelt diese Besitzname der Welt durch den Menschen in eindrücklicher Weise.