Peter Bichsels Der Busant, 1985 bei Luchterhand erschienen, trägt den Untertitel „Von Trinkern, Polizisten und der schönen Magelone“. Die Novelle spielt mit dem Stoff einer mittelalterlichen Liebes- und Abenteuergeschichte und verlegt sie in eine moderne Alltagswelt. Busant heisst ein reicher Heimwehsolothurner, mit dessen Geld Solothurns Altstadt „schöngemacht“ wird. Busant ist aber auch der Name des Vogels, der die mittelalterliche Geschichte von der schönen Magelone und dem Grafen Peter von Provence, die Geschichte einer lebenslangen Liebe und Suche, ausgelöst hat. Und die schöne Magelone ist nicht nur eine Königstochter aus dem fernen Neapel, sondern auch eine ewig betrunkene Sekretärin oder Serviertochter aus dem heutigen Solothurn.
Bichsel entzaubert den mittelalterlichen Liebesroman, indem er seine grossen Motive – Treue, Suche, Schicksal – in eine kleinbürgerlich-verwaltete Moderne stellt. Die Figuren sind nicht mehr heroisch, sondern funktional: Sekretärinnen, Angestellte, Reisende. Liebe wird nicht verhindert durch Drachen oder Wälder, sondern durch Routine, Spracharmut, soziale Rollen und institutionelle Abläufe. Das Tragische ist nicht das Unglück, sondern die Normalität.