Welche Gesänge entstehen hoch oben, dort, wo lange Winter und karge Täler oft Isolation und Dunkelheit bedeuten? Tamar Buadze und das Trio TRËI singen sich mit Klangfarben aus der Region des Schwarzen Meeres und der Alpen durch einen Schatz jahrhundertealter mündlicher und schriftlicher Traditionen. Daraus schöpfen sie dreistimmig, vierstimmig und gemeinsam mit dem Publikum Jodel, Zäuerli und Joiks aus verschiedenen Bergregionen, spinnen Wiegenlieder auf Laz, Türkisch, Armenisch und in georgischen und rätoromanischen Dialekten und erzählen von Heilung, Geburt, Tod und Echo – und von der Kraft der Berge.
TRËI ist ein Trio für Vocal Folk, bestehend aus Abélia Nordmann, Gizem Şimşek und Mara Miribung. Die drei Musikerinnen singen und spielen mit Stimme, Akkordeon, Harmonium, Bendir, Psalter und Cello. In eigenen Arrangements und Kompositionen verweben sie musikalische Traditionen aus verschiedenen Kulturen zu einem vielschichtigen Klangraum. TRËI arbeitet an szenischen Konzertformaten und interdisziplinären Projekten, die sich immer wieder um Fragen des Menschseins drehen. Unterschiedliche kulturelle Herkünfte und künstlerische Biografien fliessen dabei gleichwertig ineinander und prägen eine Arbeitsweise, die musikalische Präzision mit Offenheit für Experiment, Resonanz und Begegnung verbindet.
Abélia Nordmann (Stimme, Akkordeon, Harmonium) leitet Chöre und Produktionen in Basel, Bern und in den Nachbarländern der Schweiz. Sie ist Dirigentin des Kinderchors der Bühnen Bern, des Ensemble Choeur3 sowie des contrapunkt chor. Mit TRËI singt, schreibt und performt sie Vocal Folk aus verschiedenen Kulturen und eigene Kompositionen, die auch von Kinder- und Erwachsenenchören aufgeführt werden. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ist Abélia Nordmann Kulturrätin Baselland und Mitglied des Künstlerischen Beirats des Europäischen Jugendchorfestivals Basel. Ihre Arbeiten setzen sich immer wieder mit sozialen, ökologischen und politischen Fragestellungen auseinander.
Gizem Şimşek (Stimme, Bendir, Psalter), geboren und aufgewachsen in Istanbul, ist Sängerin, Multiinstrumentalistin, Field-Recorderin, Komponistin, Produzentin und Performerin arabisch-türkischer und schottischer Abstammung. Sie begann früh mit dem Singen und studierte bis zum sechzehnten Lebensjahr Cello. Später zog sie aufgrund religiösen und politischen Drucks in die Schweiz. Ihr künstlerisches Arbeiten bewegt sich zwischen westlich-klassischer und östlicher Musik, World Folk, türkischem Folk, improvisiertem levantinischem Avant-Folk und eigenen Kompositionen. In ambient geprägten Stücken verbindet sie Feldaufnahmen, Improvisationen und Drones mit einer über Jahre entwickelten, eigenständigen Gesangstechnik.
Mara Miribung (Stimme, Cello) wurde in Bozen geboren und wuchs in einem ladinischen Bergtal in den Dolomiten auf. Sie arbeitet als Cellistin und Performerin in Konzert- und Bühnenproduktionen und komponiert für Tanz. Engagements führten sie unter anderem an das Theater Basel, das Residenztheater München und die Staatsoper Berlin. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet sie mit dem Regisseur Thom Luz, mit dessen Inszenierungen sie unter anderem beim Berliner Theatertreffen, an den Kammerspielen München, an der Biennale Venezia, am Kampnagel Festival Hamburg und an der Stadsschouwburg Amsterdam gastierte. Neben ihrer Tätigkeit als Barockcellistin und Orchestermusikerin realisiert sie eigene Projekte, darunter das Soloformat Sad Songs for a Crocodile für Cello, Stimme und Looper. Sie lebt und arbeitet in Basel.
Tamar Buadze (GE) hat am Konservatorium in Tiflis Gesang und Chorleitung studiert. Seit 2006 leitet sie die Folkloreschule in Rustawi (Georgien). Sie gibt europaweit Musikseminare und tritt mit dem Jugendchor Tutarchela und dem gleichnamigen Frauenchor regelmässig an internationalen Festivals auf. Buadze sammelt, notiert und arrangiert georgische Lieder, die über Jahrhunderte hinweg nur singend weitergegeben wurden. Für die Popularisierung des georgischen Liedguts in Europa erhielt Tamar Buadze 2012 den Georgischen Verdienstorden.