«Die letzte Chance», gedreht gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde für den österreichisch-schweizerischen Regisseur Leopold Lindtberg zu einem internationalen Erfolg. In dem Flüchtlingsdrama verhandelte Lindtberg, der selbst vor dem NS-Terror geflohen war, brisante Themen wie Verfolgung, Exil, Verantwortung und Menschlichkeit. Von den Behörden zunächst als imageschädigend beargwöhnt und verzögert, wurde der Film nach der Uraufführung am 26. Mai 1945 rasch zu einem Klassiker des Schweizer Kinos. Dazu hat der kongeniale Soundtrack von Robert Blum erheblich beigetragen. Der Vortrag zeigt, wie Blum den neorealistischen Ansatz Lindtbergs einerseits verstärkt und ihn andererseits um eine emotionale Dimension erweitert. Erst dadurch wurde der prekäre Weg möglich, den der Regisseur zwischen «Geistiger Landesverteidigung» und Kritik an der Schweizer Flüchtlingspolitik einschlug.