In Johann Sebastian Bachs epochalen Kirchenkantaten und Oratorien verbergen sich zahlreiche kostbare Arienschätze, die aufgrund ihrer Einbettung in den jeweiligen Werkzusammenhang allerdings eher selten zu hören sind. Das Programm dieses Konzertes präsentiert nun in einer Art Bach-Gala-Abend eine Auswahl genau dieser klingenden Preziosen, wobei die Duettkombination aus Alt und Tenor eine viel zu wenig gewagte Rarität darstellt.
Bachs sensible musikalische Deutungskunst vermag es dabei, sehr unterschiedlichen Festkontexten und Emotionen gültigen Ausdruck zu verleihen. Das Spektrum der erklingenden Arien und Duette reicht darum von der beherzten Glaubensgewissheit und eindringlichen Bitte um himmlischen Schutz in allen irdischen Anfechtungen über die tapfer vertrauende Todesbereitschaft bis hin zur liebenden Vereinigung vor dem Traualtar. Von herausragenden Gesangssolisten vorgetragen und auf historischem Instrumentarium sowie mit der ganzen Klangerfahrung des von Rudolf Lutz geleiteten Ensembles der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen musiziert, entfaltet sich so ein Kosmos an berührenden Weltsichten und Hörerlebnissen.
Die 10 Stationen dieses vielgestaltigen Klangweges werden in der Programmfolge durch Sätze aus Bachs schwungvoller Ouvertürensuite C-Dur BWV 1066 miteinander verbunden. So, wie Modest Mussorgskij sein Publikum mit einer zwischengeschalteten «Promenade» durch die Klangaquarelle des berühmten Zyklus «Bilder einer Ausstellung» führte, stellen der Eingangssatz und die stilisierten Tänze des Bach’schen Orchesterwerks als kontrastierende «Arien ohne Worte» die Vokalformen des Meisters in ein immer wieder neues Licht. Dabei kann die Dramaturgie des Programms sich auf die historische Identität solcher Ouvertüren als flexibel kombinierbare Fest- und Tafelmusiken stützen, die in unserem Fall keine vergängliche Speisenfolge begleiten, sondern unvergänglich einzigartige Delikatessen für die Ohren offerieren.