Diese Reise in die Bilderwelt des Guillaume de Machaut lädt das Publikum zu einem immersiven Erlebnis ein, in dem Musik, Wort und Bild eng miteinander verwoben sind. Live-Musik tritt in einen Dialog mit den digital animierten Bildern von François Demerliac, die auf den Bildmalereien der Machaut-Handschriften der Bibliothèque nationale de France beruhen, Partnerin dieses Projekts. Mehr als hundert Miniaturen, vor über sechshundert Jahren auf Pergament gemalt, werden mithilfe raffinierter digitaler Techniken neu belebt und in einen dreidimensionalen Raum eingebettet, den eine virtuelle „Kamera“ durchquert.
Guillaume de Machaut (ca. 1300–1377) ist eine Schlüsselfigur der europäischen Musikgeschichte, der letzte grosse Dichter-Komponist der Tradition der Trouvères und zugleich ein zentraler Akteur bei der Entstehung der Ars Nova, der neuen Polyphonie des 14. Jahrhunderts. Machaut sorgte selbst für die Überlieferung seines Werks als ein einheitliches Korpus und hinterliess damit ein einzigartiges Zeugnis der mittelalterlichen Musikkultur. Im Zentrum des Projekts stehen zwei Handschriften von aussergewöhnlichem ikonographischem Reichtum: die Handschrift 1586, die älteste illustrierte Machaut-Handschrift, deren Entstehung vermutlich unter direkter Mitwirkung des Autors erfolgte, sowie die Handschrift 1584.
Obsidienne
Obsidienne wurde 1997 gegründet und zählt heute zu den massgebenden Ensembles für die Interpretation mittelalterlicher Musik. Seine Arbeit zeichnet sich durch die Feinheit der vokalen und instrumentalen Phrasierung, die sorgfältige Auseinandersetzung mit den Quellen sowie den lebendigen Zugang zur historischen Aufführungspraxis aus, der Interpretation und Improvisation verbindet. Das vokal-instrumentale Ensemble vereint Florence Jacquemart (Gesang, Flöten, Dudelsäcke), Hélène Moreau (Gesang, Psalterium, Perkussion), Camille Bonnardot (Gesang, Citole, Guiterne, Zink) und Emmanuel Bonnardot (Gesang, Viellen, Rebec, Crwth, Drehleier).
Seit 2009 in Residenz in Sens (Burgund) entwickelt Obsidienne das Forschungsprojekt „La chanson du Moyen Âge à nos jours“ („Das Lied vom Mittelalter bis heute“), in dessen Rahmen das Ensemble sein Repertoire erweitert und die Musik bewusst mit Poesie, Theater, Tanz und bildender Kunst verknüpft. Neben einer intensiven nationalen und internationalen Konzerttätigkeit engagiert sich Obsidienne in zahlreichen Vermittlungsprojekten für Menschen aller Alters- und Erfahrungsstufen. Seit 2019 organisiert das Ensemble zudem La Reverdie, ein wanderndes Frühlingsfestival im ländlichen Raum.